125 Jahre Erweiterung der Pfarrkirche des Klosters Saarn – Würdigung am Mariä Himmelfahrtswochende

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STMARIÄHIMMELFAHRT1898Stadtarchiv

Mariä Himmelfahrt, der 15. August, ist nur in den katholisch geprägten Bundesländern Bayern und Saarland ein gesetzlicher Feiertag. Doch für die gleichnamige Mülheimer Pfarrgemeinde links der Ruhr ist ihr Patronatstag auch ohne gesetzlichen Segen und Arbeitsruhe ein Feiertag, in diesem Jahr sogar ein ganz besonderer. Denn am 18. September 1897, also vor 125 Jahren, wurde die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt geweiht.

Um diesen Kirchengeburtstag gebührend zu feiern, laden die Kirchengemeinde und der seit 1983 aktive Verein der Freunde und Förderer des Kloster Saarn e.V. gemeinsam am 13. und 14. August in die Klosteranlage an der Klosterstr. 55 ein.

Klaus Fiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn gibt eine Programmvorschau. „Am 13. August wird es einen zum Himmelfahrtstag passenden Kräuterworkshop in dem 2011 angelegten Kräutergarten im Klosterhof geben. Den Mariä-Himmelfahrts-Sonntag (14. August) läuten wir um 11.30 Uhr mit einer Festmesse ein. Um 16 Uhr führt Stefanie Horn durch den Kräutergarten. Und zum Ausklang des Kirchengeburtstagsfestes laden wir um 18 Uhr zu einer musikalischen Serenade in den Innenhof von Kloster Saarn ein und knüpfen damit an unsere seit 1985 bewährte und beliebte Reihe „Musik im Kloster Saarn“ an. Weitere Informationen rund um das Weihejubiläum und unsere Aktivitäten finden Interessierte auf dieser, unserer Internetseite. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn unser Kirchengeburtstagsfest dazu beitragen könnte, dass mehr Menschen Kloster Saarn und seine Kirche (wieder) entdecken und so selbst zu Freunden und Förderern des Klosters werden würden.“

Weil die 1891 gegründete Pfarrgemeinde, zu der heute 15.000 katholische Christen gehören, 1897 zum Erzbistum Köln gehörte, wurde die Kirchenweihe am Kloster Saarn im Beisein des damaligen Pfarrer Johannes Gimken vom damaligen Weihbischof Anton Fischer vorgenommen, der fünf Jahre später von Papst Leo XIII. zum Kölner Erzbischof ernannt und 1903 zum Kardinal erhoben wurde. Saarn war 1897 noch kein Stadtteil Mülheims, sondern Teil der 1904 eingemeindeten Landbürgermeisterei Broich.

"Unsere katholischen Mitbürger hatten und haben die Ehre, den Weihbischof Dr. Fischer in ihrer Mitte zu haben. Der Kirchenvorstand geleitete ihn in einer Prozession zur Kirche der sich die Schulen, die katholischen Vereine und die Sankt- Sebastianusschützenbruderschaft anschloss. Die Straßen der Umgebung waren mit Kränzen und Fahnen geschmückt. Trotz des niederströmenden regens standen die menschen dicht an sicht spalier. Der Bischof hat auch die Firmung vorgenommen und hat heute um 4 Uhr die Stadt wieder verlassen." (Zitat Mülheimer Zeitung vom 20.09.1897)

Die mit Mainsandsteinen im neuromanischen Stil errichtete Pfarrkirche ist ein im Stil einer Basilika errichteter Anbau der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Saalkirche, die heute den hinteren Teil des Kirchenschiffes bildet. „In unserer Kirche sind die unterschiedlichen Teilbauten sehr harmonisch miteinander verbunden worden“, sagt der heutige Pfarrer von St. Mariä Himmelfahrt, Christian Böckmann. Mit dem 1895 begonnen Kirchenumbau verschwand der Chorraum der alten Klosterkirche und mit ihm die dort installierte Kanzel. Außerdem erhielt die Kirche größere Fenster, durch die mehr Tageslicht ins Gotteshaus hineinkommen konnte. Doch ein Teil des alten Kirchenschiffs und mit ihm die bis zur Klosterschließung 1808 von den Zisterzienserinnen genutzte Nonnenempore blieb erhalten.

Hatte die alte Kirche des 1214 gegründeten Zisterzienserinnenkloster nur einen kleinen Dachreiter, so erhielt die neue Pfarrkirche mit der Erweiterung einen eigenen Glockenturm. Der vom erzbischöflichen Baurat Blanke geplante Kirchenneubau wurde am Ende des 19. Jahrhundert auch deshalb notwendig, weil die Zahl der Gemeindemitglieder im Zuge der Hochindustrialisierung durch die Zuwanderung von Arbeitskräften anstieg und die ehemalige Klosteranlage damals als Tapetenfabrik genutzt wurde.

„Dank der Klosterrestaurierung in den Jahren 1979 bis 1989 ist unsere Pfarrkirche als Teil des Klosters heute nicht nur ein Gottesdienstort, sondern auch ein Bürgerbegegnungszentrum“, sagt Pfarrer Böckmann mit Blick auf die Bürgerbegegnungsstätte Kloster Saarn, zu der die Pfarrbücherei, ein Bürgersaal, eine Cafeteria, Wohnungen der SWB, das im Jahr 2008 eröffnete Klostermuseum und seit 2011 ein Kräutergarten gehören. Dabei gehen der Kräutergarten und das Klostermuseum unmittelbar auf die Initiative der Saarner Klosterfreunde zurück, die sich bis heute intensiv um deren Betreuung und Fortführung bemühen.

Mit ihrer drei Orgeln und durch das hohe Engagement von Professor Werner Schepp sowie die Initiative und stetige Unterstützung der Klosterfreunde, ist St. Mariä Himmelfahrt im Kloster Saarn seit den 1980er Jahren ein Zentrum der konzertanten Orgel- und Kirchenmusik.

Und dank der Oblaten des Heiligen Franz von Sales, die als Gemeindeseelsorger vor 53 Jahren ins Kloster Saarn einzogen, konnte auch die geistliche Tradition eines Ortes wiederbelebt werden, der nach der Reformation des 16. Jahrhunderts eine Enklave des katholischen Christentums blieb und an dem heute die ökumenische Gemeinschaft und Nachbarschaft mit der Evangelischen Kirchengemeinde Broich-Saarn gelebt wird. Von Ökumene war zum Zeitpunkt der Kirchenweihe anno 1897 noch keine Rede. Denn vor allem die Fronleichnamsprozessionen der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt wurden von den evangelischen Saarnern, 20 Jahre nach dem Ende des preußischen Kulturkampfes gegen die römisch-katholische Kirche, immer wieder mit Argwohn und Protest begleitet. Das Grabmal der letzten Äbtissin, Agathe von Heinsberg, die bis zu ihrem Tod (1822) im späteren Pfarrhaus an der Klosterstraße lebte, ist bis heute ein sichtbares Zeichen des klösterlichen Ursprungs der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt und ihrer jetzt 125 Jahre alten Pfarrkirche.

Autor: Dr. Thomas Emons

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